Dawn Anne
Dister
Sprache, Bewegung und Schauspiel waren ihre Leidenschaft. Dawn wurde zum Motor der jungen Theatergruppe und übernahm schließlich auch die Regie.
Prisma Theater · Unsere Geschichte
Seit mehr als fünf Jahrzehnten steht der Name Prisma in Speyer für Theater. Die Geschichte beginnt mit drei Frauen, einer gemeinsamen Leidenschaft und einer Idee, die eigentlich nur zum Vergnügen gedacht war.
Der Anfang vor dem Anfang
1956 kam die junge schottische Studentin Dawn Anne Dister von Edinburgh nach Deutschland – genauer gesagt nach Speyer. Die Freude an Sprache, Ausdruck, Schauspiel und Bewegung hatte sie seit ihrer Kindheit begleitet.
In Schottland hatte sie sich bereits intensiv mit Tanz, Sprecherziehung und Atemtechnik beschäftigt und Prüfungen an der London Academy of Speech and Drama abgelegt. In Speyer lernte sie später den Künstler Rudolf Dister kennen und wurde schließlich selbst Speyerer Bürgerin.
Drei kreative Köpfe
Kunst, Gestaltung, Sprache und Theater brachten drei Frauen zusammen, aus deren gemeinsamen Abenden schließlich Prisma entstehen sollte.
Sprache, Bewegung und Schauspiel waren ihre Leidenschaft. Dawn wurde zum Motor der jungen Theatergruppe und übernahm schließlich auch die Regie.
Die Künstlerin arbeitete mit abstrakten Werken, Graphiken und Batiken. Daneben galt ihr großes Interesse der Musik und Literatur – und bald auch dem gemeinsamen Theaterprojekt.
Modedesignerin und Graphikerin mit einer besonderen Liebe zum Kostüm. Ursprünglich wollte sie Bühnenbildnerin werden – beim Theater fand diese Leidenschaft schließlich ihren Platz.
Theater hat viele Gesichter
Aus Sprache, Bewegung, Gestaltung und gemeinsamen Ideen entstand nach und nach das, was Prisma bis heute prägt: die Freude daran, Geschichten auf der Bühne lebendig werden zu lassen.
Aus einer Idee wird Theater
Dawn sprach ihre Nachbarin Regine beim Einkaufen an: Ob sie nicht Lust hätte, gemeinsam Theaterstücke zu lesen – einfach so, zum Vergnügen. Regine hatte. Auch Ilse war schnell von der Idee begeistert.
Die drei trafen sich regelmäßig und lasen Stücke mit verteilten Rollen. Irgendwann entstand aus diesen Abenden eine ungewöhnliche Idee: Warum nicht selbst ein Stück auf die Bühne bringen?
Dawn übernahm zunehmend die Regie. Die Wahl fiel auf Oscar Wildes Gesellschaftskomödie „Bunbury“. Anspruchsvolles Theater sollte es sein – mit möglichst gleichwertigen Rollen und ohne einen einzelnen großen Star.
Die erste Aufführung
Einen geeigneten Spielort zu finden, war nicht einfach. Die Speyerer Stadthalle existierte noch nicht und der Alte Stadtsaal wurde damals als Ping-Pong-Halle für städtische Angestellte genutzt. Schließlich konnte die Aula des Nikolaus-von-Weis-Gymnasiums genutzt werden.
Ilse Benninger gestaltete Scherenschnitte für das Bühnenbild und arbeitete am Plakat. Regine Schulz entwarf und nähte die Kostüme. Monate lang wurde geprobt, genäht und gestaltet.
Am 16. Mai 1968 kam schließlich der große Abend. Die Resonanz übertraf alle Erwartungen. Zusätzliche Stühle mussten herbeigeschafft werden – und selbst die reichten nicht aus. Eine zweite Aufführung folgte und wurde ebenfalls ein Erfolg.
Ein Name entsteht
Zwei bis drei Jahre nach der ersten Aufführung gab sich die lose Gruppierung, die sich bis dahin „Freunde des Theaters“ genannt hatte, einen neuen Namen.
Von nun an hieß die Gruppe Prisma. Jahr für Jahr folgte ein neues Stück. Die Aufführungen wanderten mit der Zeit vom Frühjahr in den Herbst und die Zahl der Vorstellungen wuchs.
Schauspielerinnen und Schauspieler kamen und gingen, neue Menschen wurden Teil der Gruppe – und Prisma entwickelte sich zu einer festen Größe im Speyerer Theaterleben.
Geschichten hinter dem Vorhang
Über die Jahre entstanden nicht nur viele Inszenierungen, sondern auch Geschichten, an die sich die Gründerinnen noch Jahrzehnte später erinnern konnten.
Bei der „Komödie der Eitelkeiten“ stürzte Regines Mutter im Dunkeln auf der Bühne und brach sich ein Bein. Die Rolle musste kurzfristig umbesetzt werden – doch die Aufführung ging weiter.
Mit „Bleiwe losse“ gastierte die Gruppe 1977 in der Justizvollzugsanstalt Mannheim. Zunächst mit Pfiffen empfangen, erlebte die Gruppe schließlich ein Publikum, das intensiv mitging und auf die Aufführung reagierte.
Ein neues Kapitel
Dawn führte bis 1989 Regie. Mit den Jahren zogen sich die drei Gründerinnen nach und nach aus der aktiven Theaterarbeit zurück. Ilse verließ die Gruppe bereits 1980 und widmete sich verstärkt ihren Ausstellungen. Regine zog sich vom Spiel zurück und konzentrierte sich auf die Kostüme.
1989 zog Dawn nach Bad Dürkheim. Auf der Bühne übernahm inzwischen eine neue Generation von Prisma-Akteurinnen und -Akteuren.
Was blieb, war die Idee, die 1968 begonnen hatte: gemeinsam Theater zu machen – und jedes Jahr aufs Neue einen Vorhang aufgehen zu lassen.
Jahrzehnte nach der ersten Premiere steht Prisma weiterhin für die gemeinsame Freude am Theater. Neue Menschen, neue Stücke und neue Generationen führen fort, was mit drei theaterbegeisterten Frauen in Speyer begann.
Grundlage der historischen Darstellung: Interview mit Dawn Dister, Ilse Benninger und Regine Schulz · Beate Klehr-Merkl · Januar 2002