von Eric Emmanuel Schmitt, Regie: Hans-Jürgen Herschel >>

Mitwirkende
Sigmund Freud   Jochen Laugsch>>
Der Unbekannte   Rolf Memmel>>
Anna, Freuds Tochter   Susanne Loreit>>
Der Nazi   Günther Nofz>>
 

Technik
Technik/Musik   Johannes Reifig>>
Kostüme   Helene Henkel>>
Programm/Plakat   Michael Lauter>>
 

Eric-Emmanuel Schmitt, geboren 1960, studierte zunächst Musik am Konservatorium und Philosophie an der Ecole Normale Superieure, der Elite-Hochschule Frankreichs. Er promovierte über den französischen Aufklärungsphilosophen Denis Diderot, dessen materialistische Weltanschauung er weitgehend teilte. Als er bei einer Sahara-Expedition seine Gruppe verlor, war er gezwungen, eine Nacht allein in der Wüste verbringen. Zu seiner eigenen Überraschung erlebte er in dieser Nacht kein Gefühl der Angst, sondern das einer unerklärlichen Geborgenheit. Diese Erfahrung führte ihn weg von dogmatischen, von keinem Zweifel erschütterbaren Weltanschauungen hin zur skeptischen Infragestellung aller Positionen. In seinem weltweit gespielten Stück "Der Besucher", mit dem ihm der Durchbruch als Theaterautor gelang, erleben wir dies am Beispiel Sigmund Freuds. Er bekommt eines Abends im Jahr 1938 - Österreich ist bereits angeschlossen - merkwürdigen Besuch ....

Es gibt Fragen, hat der Philosoph Kant gesagt, die unsere Vernunft ebenso wenig beantworten kann wie zurückweisen. Sie ziehen uns in Regionen, in denen Fragen noch gedeihen, aber Antworten, wenn sie denn überhaupt wachsen, gleich wieder von neuen Fragen überwuchert werden. In diesen Gegenden erleben wir Abenteuer der besonderen Art, Abenteuer des Denkens, des Vermutens, des Hoffens, auch der Enttäuschung. Es sind innere Abenteuer, aber sie sind deswegen nicht weniger spannend, sie scheinen nur den Kopf zu beschäftigen, aber sie haben mit dem ganzen Menschen zu tun. Man muss nicht religiös sein, um Geschmack an ihnen zu finden, es genügt offen zu sein. Die eigene Weltanschauung freilich, wie immer sie aussehen mag, läuft dabei Gefahr, ins Wanken zu geraten. Und das ist gut so. "Wer fertig ist, dem ist nichts recht zu machen. Ein Werdender wird immer dankbar sein." (Goethe, Faust)

"Für die religiösen Bedürfnisse scheint mir die Ableitung von der infantilen Hilflosigkeit und der durch sie geweckten Vatersehnsucht unabweisbar, zumal da sich dies Gefühl nicht einfach aus dem kindlichen Leben fortsetzt, sondern durch die Angst vor der Übermacht des Schicksals dauernd erhalten wird. Ein ähnlich starkes Bedürfnis aus der Kindheit wie das nach dem Vaterschutz wüßte ich nicht anzugeben ...
Die Frage nach dem Zweck des menschlichen Lebens ist ungezählte Male gestellt worden; sie hat noch nie eine befriedigende Antwort gefunden, läßt eine solche vielleicht überhaupt nicht zu. Manche Fragesteller haben hinzugefügt: wenn sich ergeben sollte, daß das Leben keinen Zweck hat, dann würde es jeden Wert für sie verlieren. Aber diese Drohung ändert nichts ...
Um diesen Preis, durch gewaltsame Fixierung eines psychischen Infantilismus und Einbeziehung in einen Massenwahn gelingt es der Religion, vielen Menschen die individuelle Neurose zu ersparen."
Freud: Das Unbehagen in der Kultur (1930)