von Christopher Marlowe, Regie: Hans-Jürgen Herschel >>

Mitwirkende
Faust   Rolf Memmel>>
Mephistopheles   Silvia Gonsior>>
Neid   Dawn Anne Dister>>
Alte Frau   Dawn Anne Dister>>
Mönch   Christoph Ruppert>>
Höllengeist   Christoph Ruppert>>
Rosstäuscher   Christoph Ruppert>>
Völlerei   Christoph Ruppert>>
Rüpel   Christoph Ruppert>>
Papst   Ramona Stein>>
Stolz   Ramona Stein>>
Guter Engel   Susanne Loreit>>
Wirtin   Susanne Loreit>>
Böser Engel   Simone Baßler>>
Kaiser   Christoph Heldmann>>
Gelehrter   Christoph Heldmann>>
Mönch   Christoph Heldmann>>
Diener   Christoph Heldmann>>
Valdes   Günther Nofz>>
Richard   Günther Nofz>>
Student   Günther Nofz>>
Cornelius   Uli Schalck>>
Herzog   Uli Schalck>>
Mönch   Uli Schalck>>
Rüpel   Uli Schalck>>
Chorus   Erika Irle>>
Herzogin   Erika Irle>>
Höllengeist   Erika Irle>>
Rüpel   Erika Irle>>
Wollust   Ulla Püttmann>>
Hanswurst   Franz Reitschuh>>
Gelehrter   Franz Reitschuh>>
Mönch   Franz Reitschuh>>
Höllengeist   Franz Reitschuh>>
Zorn   Franz Reitschuh>>
Robert   Eckart Scholl>>
Student   Eckart Scholl>>
Luzifer   Ruben Bruder>>
Ritter   Ruben Bruder>>
Geiz   Christine von Lips>>
Kotz   Christine von Lips>>
Student   Christine von Lips>>
Höllengeist   Christine von Lips>>
Rüpel   Christine von Lips>>
Helena   Friederike Winkelmann>>
Potz   Friederike Winkelmann>>
Höllengeist   Friederike Winkelmann>>
 

Technik
Technik   Andreas Schönrock>>
Technik   Christoph Kalck>>
Maske   Silvia Pommerening>>
Maske   Charlotte Engler-Schmidt>>
Maske   Irene Laborenz>>
Videos   Friederike Winkelmann>>
Kostüme   Helene Henkel>>
Kostüme   Dagmar Theobald-Müller>>
Plakat   Michael Lauter>>
 

Warum "Faust" spielen?

In diesen Tagen, in denen über die Freiheit der Kunst im Umgang mit religiösen Themen heftig gestritten wird, gewinnt der Faust-Stoff eine eigenartige Aktualität.
Über den historischen Faust wissen wir wenig. Das 1587 erschienene "Volksbuch" stellt ihn als einen Menschen dar, der sich der schwarzen Magie ergibt und einen Bund mit dem Teufel schließt, um Wissen und Macht zu erlangen. Am Ende zahlt er den Preis dafür und fährt zur Hölle.

Nur dieses Ende ist ein gutes Ende im Sinne des herrschenden Christentums. Ein Faust, der sein vermessenes Streben nicht mit ewiger Verdammnis bezahlt hätte, wäre er ein gar zu schlechtes Vorbild gewesen. Warum aber sollte dieser mutig die Grenzen des Erlaubten überschreitende Faust nicht klammheimliche Sympathien genossen haben - bei denen, die sein Schicksal dramatisch darstellten, und bei denen, die diese Darstellung auf der Bühne sahen? Die eigentümliche Faszination, die von Faust ausgeht, speist sich aus der Lust an der Grenzüberschreitung. Knapp zwei Jahrhunderte nach Marlowe wird Goethe seine Sympathie für Faust unverholen ins Werk setzen. Sein Faust fährt nicht mehr zur Hölle. "Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen" - das ist die Botschaft.
So weit konnte Marlowe - vor der Epoche der Aufklärung - unmöglich gehen. Aber dass sein Herz für Faust schlägt, ist deutlich zu spüren.

Und heute? Hat sich die Frage nicht längst erledigt? Ist das Dilemma Fausts zwischen dem Streben nach tiefster Erkenntnis und höchster Lust einerseits und der Angst vor drohender Höllenfahrt anderseits noch aktuell? Sind Marlows Rüpel, denen Fausts Zauberbuch nur zu sehr nahe liegenden Bedürfnisbefriedigungen dient, nicht den Repräsentanten unserer Zeit, jene harmlosen, wenn auch lautstarken Gesellen, die an der Oberfläche des Lebens dahinsurfen? Leben wir nicht in Zeiten eines unreflektierten Atheismus, in denen Fausts Aufbegehren gegen von Gott gesetzten Grenzen gar kein Thema mehr ist?

Wenn wir Fausts Geschichte aber aus dem christlichen Umfeld in ein islamisches verlegen, wenn wir uns einen Faust vorstellen, der an der Wahrheit des Koran zweifelt, dann erkennen wir schlagartig, welche Provokation im "Faust" steckte - und immer noch steckt.