von Eric-Emmanuel Schmitt, Regie: Hans-Jürgen Herschel >>

Mitwirkende
Julien Portal   Thomas Baßler>>
Magier Radschapur   Rolf Memmel>>
Doktor S...   Monica Weyrauch>>
Präsident Delbec   Franz Reitschuh>>
Laura   Julia Hüskes>>
Marie   Simone Baßler>>
Ein junger Mann   Julian Zapf>>
Eine junge Frau   Friederike Winkelmann>>
 

Technik
Technik   Thorsten Bauer>>
Geräusche   Micha Schellhaas>>
Kostüme   Helene Henkel>>
Bühnenbild   Uli Schalck>>
Maske   Silvia Pommerening>>
Maske   Silvia Gonsior>>
Plakat / Programm   Christine Bauer>>
 

Hotel zu den zwei Welten - ein Ort zum Philosophieren

Anders als in Deutschland gibt es in Frankreich die Tradition des Dramen schreibenden Philosophen beziehungsweise der philosophierenden Dramatikers. Man denke nur an Jean-Paul Sartre oder Albert Camus. In ihren Dramen wird Philosophie anschaulich, ohne zu versanden. Ihre Schauspiele sind Einladungen, konkretem Philosophieren zuschauend und mitdenkend beizuwohnen.

Mit Eric-Emmanuel Schmitt, geboren 1960, tritt ein jüngerer Autor in die Fußstapfen der großen Vorgänger. Er hat seine philosophische Dissertation über Denis Diderot geschrieben, den führenden Herausgeber der "Encylopedie". Dieser bedeutende Kopf der französischen Aufklärung ist immer im Schatten der berühmten Zeitgenossen Voltaire und Rousseau geblieben.
Seine Philosophie ist radikal materialistisch, alle Hoffnungen haben sich aufs Diesseits gerichtet. Schmitt teilt zunächst diese Auffassung, zumal sie eine Bestätigung dessen ist, was er in seiner Erziehung erfährt.

Was ihn, den auch musikalisch Hochbegabten, zum Dramatiker macht, ist jedoch nicht der Wille, diese Weltanschauung zu propagieren. Vielmehr ist es gerade die Erschütterung dieser Weltsicht, die ihn zu seinen Dramen inspiriert und die seine Stücke nicht nur intellektuell anregend, sondern auch existentiell anrührend wirken lässt.

Dabei spielt ein Ereignis eine Rolle, das Schmitt häufig nur andeutet, das er - wenn überhaupt - nur in Grundzügen erzählt. Als etwa Dreißigjähriger nimmt er an einer Reise durch die Sahara teil, verliert seine Gruppe und bringt eine ganze Nacht alleine zu, in dem klaren Bewusstsein, sich möglicherweise für immer verirrt zu haben. Was er in dieser Nacht erfährt, sind nicht Angst und Verzweiflung, sondern das unerklärliche Gefühl großer Gelassenheit, ja wunderbarer Geborgenheit.

Auf die kürzeste Formel gebracht, führt dies zur Aussage: "Ich sage nein zur Absurdität, aber ich sage ja zum Geheimnis." Die Nacht in der Sahara ist Eric-Emmanuel Schmitts Aufenthalt im "Hotel zu den zwei Welten". Vielleicht ist es noch nicht einmal seine Weltanschauung, die er dabei verliert, sondern lediglich die Unerschütterlichkeit der Überzeugung, diese Weltanschauung sei wahr. Wenn überhaupt von einem Bekehrungserlebnis gesprochen werden darf, dann ist es eine Bekehrung zur Offenheit.

Dieser Offenheit enspringt der Humor, der diesem philosophischen Drama nicht fehlt. Vom Dogmatismus befreit, lassen sich unterschiedliche Lebensentwürfe akzeptieren, weil man nicht länger gezwungen ist verbissen den Weg zur vermeintlich einzigen Wahrheit zu weisen.