von Tirso de Molina, Regie: Dawn Anne Dister >>

Mitwirkende
Don Alfonso   Uli Schalck>>
Don Fabio   Jörg Merz>>
Kurtisane   Ingrid Haker>>
Wirt   Christoph Ruppert>>
Francisco   Reinhard Schmidt>>
Dona Juana   Silvia Gonsior>>
Caramanchel   Günther Nofz>>
Aminta   Carmen Trampert>>
Ossorio   Thomas Baßler>>
Don Ramon de Guzman   Wolfgang Häberle>>
Don Pedro de Mendoza   Lorenz Konther>>
Dona Ines   Simone Baßler>>
Dona Clara   Christine von Lips>>
Schreiber   Christoph Ruppert>>
Don Diego Solis   Rolf Memmel>>
Alguacil   Thomas Baßler>>
Dona Antonia Espinosa   Ingrid Haker>>
 

Technik
Bühnenbild   Uli Schalck>>
Bühnenbild   Heiner Schultz>>
Bühnenbild   Ullrich Albertshauser>>
Kostüme   Helene Henkel>>
Kostüme   Dawn Anne Dister>>
Requisiten   Der Blumenladen>>
Floretts und Säbel   Roland Engelhardt>>
Lieder   Susanne Kiesewetter>>
Lieder   Dawn Anne Dister>>
Technik, Ton, Licht   Jürgen Löffel>>
Fechtanleitung   Roger Kuhn>>
Bühnenaufbau   Andre Merkl>>
Plakat / Programm   Michael Lauter>>
Maske   Beate Klehr-Merkl>>
Maske   Silvia Pommerening>>
Catering   Reinhard Schmidt>>
Regieassistenz / Souffleuse   Christa Dahn>>
 

Das Leben - ein Abenteuer

Die spanische Komödie im 16. Jahrhundert und Anfang des 17. Jahrhunderts ist als Manifestation einer Lebenshaltung zu verstehen, die unbelastet von politischem Druck oder Erziehungsabsichten, nach Sensationen und Unterhaltung in der römischen Tradition dürstete. Zu einer Zeit als in Europa Humanismus und Protestantismus das Mittelalter allmählich in die Vergangenheit drängte, herrschte noch in Spanien Aberglaube neben einer tiefen Gläubigkeit. Man sah alles Leben als Illusion, alles Irdische als hinfälliger Schein, das Leben ein Abenteuer. Ritter waren keine militärische Größe mehr, sie waren nur noch Abenteurer (Don Quichote). Liebes- und Ehrenhändel wurden ihnen zum Sinn des Lebens und unterlagen auch strenge, wenn auch längst überholten Gesetzen. Leben und Sitten der Adligen und Ritter waren verständlicherweise ein gefundenes Fressen der Komödiendichter, die sehr gefragt waren.
Einige haben durch ihre literarische Qualität und Zeitlosigkeit bis heute überlebt, Lope de Vega und Cervantes gehören dazu. Daneben wird auch Tirso de Molina heute noch geschätzt. Die spanische Komödie ist ein Kind des Theaters, nicht der Literatur. Mitte des 16. Jahrhunderts entwickelte sich eine Theaterkultur, die schon seit der Einführung des Fronleichnamsfestes durch den Papst im Jaher 1264 nie durch die Kirche gebremst wurde. Prozessionen schlossen Tanz und szenische Darstellung mit ein und so ist es also nicht überraschend, dass ein Priester wie Tirso de Molina auch ein Komödiendichter sein konnte.
Bei den Zuschauern, egal aus welcher gesellschaftlichen Schicht, genossen die Schauspieler eine Verehrung, wie sie heute Filmstars und Rockidolen entgegengebracht wird. Lange Jahre waren die Theatergruppen Nomaden. Die spanischen Wandertruppen spielten nachmittags in Höfen auf ganz primitiv zusammengebauten Podien. In manchen Klöstern wurde eigens Höfe für die Spieler zur Verfügung gestellt, die nach den traditionellen Wirtshaushöfen "corrales" genannt wurden.
Anders als in der italienischen "Comedia dell´arte" sind die Figuren in der spanischen "Comedia de capa y espada" (Mantel- und- Degen-Komödie) keine starren Typen, sondern individuelle Personen, die sich verändern können und so oder so entscheiden. Die Spannung resultiert für den Zuschauer nicht aus der Frage, wie alles endet (das Happy-end ist nicht so wichtig, weil es sicher ist!) sondern aus der Art und Weise, wie die Figuren mit der jeweiligen Situation fertig werden. Man vermutet das Tirso de Molina - Mönch, gewissenhafter Missionar und Prediger - seine Kenntnisse über das weltliche Leben und insbesondere über die weibliche Natur aus dem Beichtstuhl schöpfte.
Zwischen 1600 und 1626 schrieb er über 300 Theaterstücke, von denen 85 erhalten sind. Am bekanntesten ist sein "Don Juan" und eben unser "Don Gil von den grünen Hosen".
Triebfeder seiner Komödie sind gewitzte und oft eifersüchtige Frauen, während die Männer eher als Objekte der weiblichen Aktivität erscheinen.
In dieser Komödie läßt Tirso de Molina Dona Juana die Spur ihres ungetreuen Liebhabers Don Ramon verfolgen in der Hoffnung, ihn zurück zu gewinnen und seine Heirat mit Dona Ines zu verhindern. Dies führt zu allerlei Verkleidungen und Verwirrungen, die für manche Figuren sogar den Rahmen der Wirklichkeit sprengen und ins Jenseits führen.

Dawn Anne Dister